Jahresrückblick

Bereich Wasser: Tätigkeiten und Ergebnisse 2015

Dipl.-HTL-Ing. Manfred Eisenhut, Bereichsleiter Wasser: „Auch 2015 wurde klar ersichtlich, dass internationale Entwicklungen für heimische Wasserversorger von zentraler Bedeutung sind. Ein gutes Beispiel dafür ist die internationale Normenarbeit: Diskussionen, die heute in den Gremien der ISO geführt werden, erreichen uns spätestens übermorgen über die EU und CEN und müssen dann als ÖNORM EN ISO von unseren Mitgliedern als Stand der Technik umgesetzt werden. Die ÖVGW hat daher in der nationalen und internationalen Normung das Netzwerk weiter gestärkt.
Das Thema Grundwasserschutz war aufgrund der Arbeiten zum nationalen Gewässerschutzplan 2016 und der Vorarbeiten zur Überarbeitung des Aktionsprogramms Nitrat ein wesentliches Tätigkeitsfeld für die ÖVGW. Dabei können wir erfreulicherweise feststellen, dass die Vereinigung immer mehr als starke Interessenvertretung wahrgenommen wird, die eine klare Position vertritt.“

Interessenvertretung

In regelmäßigen persönlichen Gesprächen mit den Umweltsprechern der Parlamentsparteien brachte die ÖVGW im Berichtsjahr ihre Position zum Grundwasserschutz ein und legte die Funktionsweise der Trinkwasserversorgung dar. Zu Jahresbeginn wurde eine Stellungnahme zur Novelle der Trinkwasserverordnung eingebracht; die Novelle wurde im Juli 2015 veröffentlicht.
In mehreren Gesprächsrunden sowie in Sitzungen am Runden Tisch Wasser des BMLFUW wurde eine fundierte Stellungnahme zum Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan (NGP) erarbeitet. Nach Aussagen des Ministeriums wurden zum Grundwasser landesweit sieben fachlich fundierte Stellungnahmen abgegeben, eine davon kommt von der ÖVGW.
Beim Aktionsprogramm Nitrat, das zur Novelle ansteht, hat die ÖVGW stark Stellung bezogen. Hier kam das EUGH-Urteil gegen Frankreich zu Hilfe (Frankreich wurde wegen einer ähnlichen Umsetzung der Nitratrichtlinie wie Österreich vom EUGH verurteilt und muss jetzt rasch neue Umsetzungsregulative vorlegen).
Nach umfangreichen Pestiziduntersuchungsprogrammen zeigt sich, dass es in Österreich ein Problem mit „neuen“ alten Metaboliten im Grundwasser gibt. Das sind Metaboliten aus Wirkstoffen, die schon lange verboten sind, weshalb vorbeugende Maßnahmen gegen diese Belastungen nicht mehr möglich sind. Die ÖVGW vertritt die Meinung, dass eine Lösung gesucht werden muss, die einerseits eine gesundheitliche Gefährdung der Bevölkerung ausschließt und andererseits den Bau von Aufbereitungsanlagen verhindert.
Bei der Danube Water Conference 2015 konnte die ÖVGW Österreich als Best Practice Beispiel im Bereich der Trinkwasserversorgung präsentieren. Besonders interessant war dabei eine Podiumsdiskussion unter Beteiligung der ÖVGW zu Regulatoren im Wassersektor.
Gespräche mit dem Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen über die zukünftige Beurteilung der Konformität und einer möglichen Verlängerung der Eichfrist bzw. Konformitätszeit von Wasserzählern wurden 2015 begonnen und sollten 2016 zu einem Abschluss kommen.
Zudem war die ÖVGW ist in zahlreichen Normenkomitees engagiert tätig, um die Interessen der Trinkwasserversorger wahrzunehmen.

Internationale Vertretung: Auf europäischer Ebene wurde von der ÖVGW Stellungnahmen für ein Positionspapier der EUREAU zur der 2019 bevorstehenden Überarbeitung der Wasserrahmenrichtlinie abgegeben. Für die EUREAU wurde ein neuer Vertreter für den Governing Board nominiert. Mag. Raimund Paschinger, GF der EVN Wasser, wird Österreich in diesem wichtigen Entscheidungsgremium vertreten.
Auch auf internationaler Ebene konnten bei der ISO/ TC224 WG 6 die Belange der Wasserversorger aus Österreich eingebracht werden.
Die ÖVGW hat eine Beschwerde bei der Europäischen Kommission eingebracht, da die Fristen für die Düngemittelausbringung durch Bundesminister Andrä Rupprechter gemäß Aktionsprogramm Nitrat zum vierten Mal erstreckt wurden. Da dieses Vorgehen nach Meinung der ÖVGW nicht den Grundsätzen der EU-Nitratrichtlinie entspricht und da alle bisherigen Proteste der Vereinigung beim BMLFUW ohne Konsequenzen verhallt sind, wurde nun der Weg der Beschwerde bei der Kommission beschritten.
Auf der Wasser Berlin konnte die österreichische Wasserwirtschaft erfolgreich positioniert werden. Bei dieser europäischen Leitmesse für die Trinkwasserbranche konnte die ÖVGW wertvolle Kontakte knüpfen und wichtige fachliche Gespräche führen.
Auf der WAT in Essen fanden Gespräche mit dem DVGW bezüglich des Umgangs mit Pestiziden und nicht relevanten Metaboliten und Pseudomonas aeruginosa in der Wasserversorgung statt.
Beim Rohrnetzworkshop in Zürich wurden die Tätigkeiten der ÖVGW präsentiert.
Im Rahmen des Danube Water Program konnte sich die ÖVGW beim Workshop in Tirana als Best Practice Beispiel für eine Interessensvertretung und Ausbildungsstätte für Wasserversorger einbringen. Eine starke Zusammenarbeit mit den Verbänden im Donauraum kann die Stimme der Wasserversorger in Brüssel erheblich verstärken.

Mitgliederbetreuung

Zur Industrie resp. den Mitgliedsfirmen im Wasserbereich erfolgte der Erfahrungsaustausch im Rahmen des Fachausschusses FIWA – Firmen im Wasserfach und über deren Delegierte, die in den Ausschüssen des Bereiches Wasser mitarbeiten.
Alle Ausschussmitarbeiterinnen und -mitarbeiter erhielten sechs Ausgaben des „Wasser-Spot“, der über die vielfältigen Tätigkeiten des Bereiches Wasser informiert.
Letztendlich hat der Fachbereich Wasser rund 220 Personen in den diversen Ausschüssen und Arbeitsgruppen bei ihren Aktivitäten unterstützt und begleitet sowie deren Tätigkeiten abgestimmt.

Aktualisierung und Ausbau des Regelwerks

Im Jahr 2015 konnten sechs Richtlinien bzw. Fachinformationen fertiggestellt und veröffentlicht werden. Vier weitere befanden sich in Er- bzw. Überarbeitung.
Außerdem entschloss man sich dazu, das Wassermeister- Skriptum auch als Abonnement anzubieten und ein Konzept für ein Regelwerk-Abo zu entwickeln.

Marketing und Kommunikation

2015 wurden zahlreiche Aktivitäten gesetzt, um Mitglieder, die Trinkwasserbranche und die breite Öffentlichkeit zum Thema Trinkwasser zu informieren.
Aktuelle Neuigkeiten werden speziell für die Mitglieder der ÖVGW auf der Vereins-Homepage zur Verfügung gestellt: Die Publikation „Wasser-Spot“ informiert alle Wasserwerke sowie Ausschussmitarbeiterinnen und -mitarbeiter über Neuigkeiten in der Branche. Vielfältige Informationen zum Thema Trinkwasser werden auf www.wasserwerk.at und www.trinkwasserinfo.at geboten.
Eine Beteiligung und Mitwirkung an der Jugendplattform für Wasser www.generationblue.at versorgt junge Menschen mit Informationen rund ums Thema Wasser und motiviert sie, sich mit der lebenswichtigen Grundlage Trinkwasser auseinanderzusetzen.
An der gemeinschaftlichen Initiative VOR SORGEN der Siedlungswasserwirtschaft wurde ebenfalls mitgewirkt und auch bei der Durchführung des „Neptun Wasserpreis 2015“ war die Vereinigung intensiv eingebunden.
Gründliche Überlegungen, dem Trinkwasser und den Wasserversorgungsunternehmen Möglichkeiten zur Präsentation zu geben, mündeten im Beschuss, ab 2016 einen österreichweiten TRINK’WASSERTAG zu begehen.


Betreuung von Forschungsvorhaben

Nachdem der heiße und niederschlagsarme Sommer 2015 die Wasserversorger besonders forderte, wurde beschlossen, ein Forschungsprojekt „Wasserversorgung im Jahre 2015 – Erfahrungen und Ausblick“ zu beauftragen.
Das Forschungsprojekt „Einsatz der Durchflusszytometrie zur Quantifizierung des mikrobiologischen Risikos in der Trinkwasserversorgung“ wurde ebenfalls in Auftrag gegeben. Mit der Studie soll die Anwendbarkeit der Durchflusszytometrie im praktischen Wasserwerkbetrieb untersucht werden.
Das PCCL-Folgeprojekt 2014-2016 trägt den Titel „Fracture mechanics lifetime assessment of pressurized polyethylene gas and water systems under application relevant installing conditions“ (Bruchmechanische Bewertung von unter Druck stehenden Gas- und Wasserleitungssystemen unter Berücksichtigung der relevanten Einbaubedingungen) und wird von den Fachbereichen Gas und Wasser betreut (vgl. auch Seite 24).
Schließlich erfolgte im Berichtsjahr ein Aufruf zur Teilnahme am Unternehmensbenchmarking 2016 als freiwilliger und anonymer Leistungsvergleich der Wasserversorger.