Jahresrückblick

Bereich Wasser: Tätigkeiten und Ergebnisse 2016

Dipl.-HTL-Ing. Manfred Eisenhut, Bereichsleiter Wasser: „ Das Jahr 2016 definiert einen weiteren Meilenstein in der Arbeit der ÖVGW: Noch nie war es so deutlich sichtbar, dass eine strategische und strukturierte Interessenvertretung gegenüber Politik und Behörden für die Trinkwasserversorger Erfolge zeitigt. Indem die ÖVGW im Interesse ihrer Mitglieder immer stärker agiert, anstatt wie früher auf Entwicklungen zu reagieren, können notwendige Änderungen wesentlich besser mitgestaltet werden. Noch nie wurden so viele Gesetzesinitiativen von der ÖVGW kommentiert wie 2016, bei manchen Novellen war die ÖVGW aktiv eingebunden, einige wurden von der ÖVGW vorgeschlagen. Die Rolle der ÖVGW-Mitglieder und der ÖVGW-Geschäftsstelle im internationalen und nationalen Normenprozess wird dem Anspruch des Agierens jedenfalls mehr als gerecht.
Die Behörden und sonstigen Interessensgruppen sehen in der ÖVGW einen verlässlichen Branchenvertreter, mit dem sachliche und faktenbasierte Diskussionen geführt werden können. Die dafür notwendige Erarbeitung von gemeinsamen Positionen und Stellungnahmen war 2016 in den Fachausschüssen ein sehr intensiver und aufwendiger Prozess – neben der Erstellung von Richtlinien und Wasser-Informationen.“

Interessenvertretung

Nationale Vertretung: Generell ist festzustellen, dass die Themen zunehmend vernetzter werden und auch die Diskussion auf internationaler Ebene zunehmend an Bedeutung gewinnt. In Österreich konnte während mehrerer Politikerbesuche das Thema Grundwasserschutz ins politische Bewusstsein gerufen werden. Bei Besuchen im Kabinett von BM Rupprechter wurde die bevorstehende Novelle des Aktionsprogramms Nitrat thematisiert. Eine wesentliche Arbeit des Bereichs Wasser war auch im Jahr 2016 die fachliche Begleitung und Unterstützung von 202 Funktionären in 14 Ausschüssen und Arbeitsgruppen. In insgesamt mehr als 60 Sitzungen wurden zahlreiche Positionen und Stellungnahmen abgestimmt und erarbeitet.
Intensiv erörtert wurden folgende Themenkreise bzw. wurden Verhandlungen geführt und Stellungnahmen abgegeben: Wasserzähler, Novelle der Trinkwasserverordnung (TWV), Kritische Infrastrukturen, Cybersicherheit, LMSVG, Novelle des WRG 1959, Novelle der StVO, Novelle GewO.

Internationale Vertretung: Hier seien einige Aktivitäten erwähnt: Für die EurEau wurde ein neuer Vertreter für den Governing Board nominiert; weitere Vertreter bringen österreichische Sichtweisen in den EurEau-Komitees zu Themen der Trinkwasserwirtschaft und zu Trinkwasser ein. Die ÖVGW brachte 2016 ihre Meinung zur Überarbeitung des Anhangs I der EU TW-RL (Parameter und Indikatorparameter) über den Weg der EurEau ein.
Bei der ISO/TC224 WG 6 konnten die Belange der Wasserversorger aus Österreich eingebracht werden.
Die ÖVGW unterstützte den WLV Nördl. Burgenland bei einer Beschwerde bezgl. mangelnden GW-Schutz vor Nitratbelastungen bei der EUKommission.
In den Arbeitsgruppen der OECD zu best practices good governance und indicators des Wasserbereiches bringen Vertreter österreichische Aspekte ein.
Seit 2016 ist die ÖVGW Mitglied bei der IAWD.
Beim Besuch der IWA-Konferenz und -Ausstellung in Brisbane konnten wertvolle Erkenntnisse über internationale Trends und Entwicklungen gesammelt werden, die direkt in die entsprechenden Fachausschüsse eingebracht wurden.
Intensiver Erfahrungsaustausch auf Fachebene mit SVGW und DVGW.

Mitgliederbetreuung

Zur Industrie resp. den Mitgliedsfirmen im Wasserbereich erfolgte der Erfahrungsaustausch im Rahmen des Fachausschusses FIWA – Firmen im Wasserfach und über deren Delegierte, die in den Ausschüssen des Bereiches Wasser mitarbeiten.
Alle Ausschussmitarbeiterinnen und -mitarbeiter erhielten sechs Ausgaben des „Wasser-Spot“.

Aktualisierung und Ausbau des Regelwerks

Im Jahr 2016 konnten drei Richtlinien bzw. Fachinformationen fertiggestellt und veröffentlicht werden. Sechs weitere befanden sich in Er- bzw. Überarbeitung.
Außerdem entschloss man sich dazu, ein Regelwerk-Abo einzuführen.

Betreuung von Forschungsvorhaben

Im Frühjahr 2016 konnte die von der ÖVGW beauftragte Klimastudie 2015 von der BOKU fertiggestellt werden. Der Rekordsommer des Jahres 2015 mit den intensiven Trocken- und Hitzeperioden und Medienmeldungen über Versorgungseinschränkungen wurden zum Anlass genommen, die Versorgungssituation der näheren Vergangenheit, ins besondere die heißen und trockenen Sommer der Jahre 2003, 2013 und 2015, mittels einer Umfrage unter den Wasserversorgern, Experteninterviews mit den zuständigen Landesbeamten und anhand von allgemein zugänglichen Daten zu evaluieren. Ziel war es, eine breitere Datengrundlage zum Zusammenhang von Versorgungseinschränkungen mit extremen Wetterlagen zu erhalten und Fragen über die zukünftige Situation der Wasserversorgung und hinsichtlich bereits erfolgter und noch zu tätigender Anpassungsmaßnahmen sowie in Hinblick auf den Klimawandel zu beleuchten. Die detaillierten Ergebnisse konnten beim Kongress 2016 präsentiert werden.
Bewertung von Parametern für die Notfallversorgung: In ÖVGW-Richtlinie W 74 „Trinkwassernotversorgung“ ist eine Liste von Trinkwasser- Parametern und entsprechenden Notfallwerten enthalten, welche in einer Notsituation einzuhalten sind. Mit Überarbeitung der W 74 (neu seit Februar 2017) wurde auch eine Überprüfung und Aktualisierung dieser Liste notwendig. Diese Tätigkeit erfolgte durch die AGES, die ÖVGW konnte für die Mifinanzierung auch das BMLFUW und das BMG gewinnen. In der neuen W 74 sind nun wieder Anforderungen an die Qualität von Trinkwasser in Krisensituationen (Katastrophen) für einen Aufnahmezeitraum von maximal 30 Tagen enthalten.
Das PCCL-Projekt 2014-2016 behandelte die bruchmechanische Bewertung von unter Druck stehenden Gas- und Wasserleitungssystemen unter Berücksichtigung der relevanten Einbaubedingungen. Es konnte eine Untersuchungsmethode entwickelt werden, die eine zuverlässige Vorhersage von Rohrlebenszeiten für PE ermöglicht. Mit PEWasserrohren älterer Generation wurden bereits Betriebszeiten von 50 Jahren erreicht, für moderne hochrissbeständige PE-Rohrmaterialien gelten 100 Jahre Lebenszeit generell als gesichert.

Marketing und Kommunikation

Auch 2016 wurden viele Aktivitäten gesetzt, um Mitglieder, die Trinkwasserbranche und die breite Öffentlichkeit zum Thema Trinkwasser zu informieren. Zahlreiche Informationen werden speziell für die Mitglieder der ÖVGW auf der Vereins-Homepage zur Verfügung gestellt: Die Publikation „Wasser-Spot“ informiert alle Wasserwerke sowie Ausschussmitarbeiterinnen und -mitarbeiter über Neuigkeiten in der Branche.
Vielfältige Informationen zum Thema Trinkwasser werden auf www.wasserwerk.at und www.trinkwasserinfo. at geboten. Eine Beteiligung und Mitwirkung an der Jugendplattform für Wasser www.generationblue. at versorgt junge Menschen mit Informationen rund ums Thema Wasser. Für sie bzw. die Pädagoginnen und Pädagogen wurde die „WasserWerkstatt“ überarbeitet und erfreut sich großer Beliebtheit. Bei der Organisation des „Neptun Wasserpreis 2017“ ist die Vereinigung intensiv eingebunden.
Erstmals wurde im Berichtsjahr der österreichweite TRINK’WASSERTAG begangen. Dieses von der ÖVGW initiierte und unterstützte Projekt ermuntert Wasserversorger, ihre Leistungen der breiten Öffentlichkeit oder speziellen Zielgruppen zu präsentieren. 53 Versorger in acht Bundesländern nützten die Gelegenheit, bereiteten größere oder kleinere Veranstaltungen vor und informierten bei Festen, einem Tag der offenen Tür oder bei Vorträgen umfassend über ihre Tätigkeit. Ein von der ÖVGW organisierter Videobewerb zum Thema Trinkwasserversorgung rundete diese Aktivitäten ab. Eingebettet war der TRINK’WASSERTAG in eine das ganze Jahr andauernde verstärkte Pressearbeit mit Schwerpunktthema Versorgungssicherheit. Dabei stießen die Ergebnisse der Klimastudie 2015 bei den Medien auf enormes Interesse.

Weiterentwicklung von Schulungen im Bereich Wasser

Neuer Kurs „UV-Wartungstechniker“, Wiederaufnahme des Seminars „Dichtheitsprüfung“, fachliche Vorbereitung von Kongress, Werkleitertagung und Symposium 2017, laufende Überarbeitung der Schulungsunterlagen für die Wassermeister-Schulung am Stand der Technik.