Aktuell 2022


Grundwasserspiegel sinkt auch in Österreich – Vorrang für Trinkwasserversorgung in Trockenzeiten

Vorrang für Trinkwasserversorgung in Trockenzeiten

Trinkwasserversorgung für Haushalte muss Priorität vor Wasserentnahme durch Industrie und Landwirtschaft haben.

Anlässlich des Trinkwassertages am 15. Juni 2022 fordert der Vizepräsident der Vereinigung des Gas- und Wasserfachs (ÖVGW), Wolfgang Nöstlinger, dass die Trinkwasserversorgung von privaten Haushalten in Krisenzeiten des Wassermangels Vorrang vor der Wasserentnahme durch Industrie und Landwirtschaft hat.

Klimawandel erreicht Europa

Auch wenn es in den vergangenen Tagen zu großen Regenfällen gekommen ist, reicht dies nicht aus, das Problem des sinkenden Grundwasserspiegels zu beheben. Denn die langfristige Grundwasserbildung erfolgt sehr langsam und kann nicht durch Regenfälle in kurzer Zeit kompensiert werden.

ÖVGW-Vizepräsident Wolfgang Nöstlinger verweist darauf, dass der Klimawandel jetzt auch schon in Europa deutlich zu spüren ist. „Wir sehen die Auswirkungen des Klimawandels. In Frankreich muss aktuell das Wasser in einigen Regionen wegen ausbleibender Niederschläge bereits rationiert werden. Wir müssen in Österreich Vorkehrungen für derartige Situationen treffen.“

Grundwasserspiegel sinkt auch in Österreich

Auch in Österreich ist das Sinken des Grundwasserspiegels bereits in einigen Regionen ein Problem. Die Leitha etwa ist zwischen Katzelsdorf bei Wiener Neustadt und Neufeld an der Leitha im Burgenland großteils ausgetrocknet.

Ebenfalls rund um Wiener Neustadt merkt man das Sinken des Grundwasserspiegels am Anemonensee oder Achtersee drastisch. Die Schotterteiche, an denen sich viele ein Haus am Wasser gebaut haben, sind fast ausgetrocknet. Die Anwohner blicken nur mehr in eine Lacke.

Vorrang für Trinkwasserversorgung

Daher ist es Zeit, zu handeln. ÖVGW Vizepräsident Wolfgang Nöstlinger verlangt die klare Vorrangstellung für die Trinkwasserversorgung.

„Wir fordern, dass in Österreich bei Wassermangel aufgrund kritischer Grundwasserstände die Trinkwasserversorgung der Haushalte absolute Priorität hat. Das bedeutet, dass die Menschen zu jeder Zeit Wasser aus dem Wasserhahn trinken können, sich duschen können, die WC-Spülungen funktionieren. Bei einem solchen Wassermangel muss die Wasserentnahme von Industrie und Landwirtschaft ebenso eingeschränkt werden können, wie dies heute bereits für Poolfüllungen und Gartenbewässerung möglich ist.“

Wasserentnahmemengen müssen erfasst und überprüft werden können

Österreich ist ein wasserreiches Land, so Nöstlinger weiter, in dem bisher die Forderungen nach Entnahmemengen von Grundwasser großzügig erfüllt werden konnten. Doch die derzeitige Entwicklung der Grundwasserstände erfordert Maßnahmen. Die Entnahmemengen von Industrie und Landwirtschaft müssen genauso überwacht und gemessen werden, wie dies bei Trinkwasserversorgern der Fall ist.

„Wir wissen nicht, wieviel Wasser zu welchem Zeitpunkt von Industrie und Landwirtschaft entnommen werden. Denn nicht alle Grundwasserentnahmen werden gemessen. Das muss sich ändern. Wir müssen auf den Verbrauch unseres wertvollen Grundwassers schauen. Die ÖVGW fordert daher, dass alle Wasserentnahmemengen in Österreich überprüfbar erfasst werden.“

Grundwasserschutz geht alle an

Eine der wesentlichen Aufgaben der Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW) ist der Grundwasserschutz. ÖVGW-Vizepräsident Wolfgang Nöstlinger appelliert: „Jede und jeder muss privat darauf achten, was im WC oder Abfluss landet. Medikamente und Chemikalien gehören nicht in die Kanalisation oder in den Haushaltsmüll, sondern ordnungsgemäß entsorgt.“

Was Industrie und Landwirtschaft angeht, erklärt Nöstlinger: „Alles, was ins Wasser abgeleitet wird, finden wir im Grundwasser wieder. Wir fordern daher eine Prüfung aller Chemikalien und Pestizide, die in Industrie bzw. Landwirtschaft eingesetzt werden. Und zwar bereits bei der Zulassung für die Verwendung.“

Denn, so Nöstlinger, Grundwasserschutz gehe uns alle an. Damit die Trinkwasserqualität in Österreich auch in Zukunft so gut wie heute bleibe.


Neue Forschungsanlage in Wien Simmerung erzeugt Synthesegas aus Biomasse und Reststoffen

In Simmering wird mittels dem an der TU Wien entwickelten DFB-Verfahren (Dual Fluidized Bed – Zwei-Bett-Wirbelschicht) über einen thermischen Umwandlungsprozess aus Biomasse oder Reststoffen – wie etwa Holzabfällen, Klärschlamm oder Rückständen aus der PapierindustrieSynthesegas (SNG) erzeugt. Es gibt mittlerweile zwei Jahrzehnte Erfahrung mit dieser Anlagentechnik.

Das wasserstoffreiche Synthesegas wird in der Folge in verschiedene Energieträger wie Grüne Kraftstoffe, Grünes Gas und Grünen Wasserstoff oder Grüne Grundstoffe für die chemische Industrie umgesetzt. Sind die eingesetzten Ausgangsstoffe erneuerbaren Ursprungs, so sind auch die Endprodukte zu 100% erneuerbar. Es ist aber auch denkbar, nicht erneuerbare Reststoffe (z.B. Plastikreste, die nicht recyclebar sind) zuzusetzen und auf diese Weise auch solche fossilen Ausgangsstoffe mehrfach zu nutzen, ganz ähnlich wie dies bspw. auch beim Papierrecycling der Fall ist.

„BIG – Green Gas“ – Grünes Gas aus Reststoffen

Die Pilotanlage „Waste2Value“ wird zusätzlich für das neu gestartete ÖVGW-Forschungsvorhaben „Branchen-Projekt für innovative Grün-Gas-Produktion“ (kurz „BIG – Green Gas“) genutzt, um die Erzeugung von Synthesegas zur Einspeisung in das Gasnetz zu untersuchen. Dazu erklärt ÖVGW-Geschäftsführer Michael Mock: „Demonstrationsanlagen wie die „Waste2Value“-Gaserzeugungsanlage zeigen, wie wir unsere bisher ungenutzten Reststoffe in Grünes Gas verwandeln können. Diese Technologie birgt beachtliche Potenziale, um fossiles Gas durch Grünes Gas zu ersetzen. Grünes Gas ist speicherbar und steht so als klimaneutraler Energieträger jederzeit für alle Gasanwendungen zuverlässig zur Verfügung. Die Gaswirtschaft zeigt vor, wie es geht und steht in den Startlöchern, größere Projekte umzusetzen. Dafür fehlen nur noch die politischen Rahmenbedingungen, wie z. B. ein Grün-Gas-Gesetz“.

Bei „BIG – Green Gas“ wird in einem ersten Schritt das Potenzial für die thermische Gaserzeugung aus Biomasse-Reststoffen untersucht. Aus ausgewählten biogenen Reststoffen soll dann zunächst im DFB-Verfahren Synthesegas hergestellt werden und in weiterer Folge durch Aufbereitung und Reinigung Bio-SNG sowie Wasserstoff für die Einspeisung in das Gasnetz. Das Forschungsprojekt, das von der ÖVGW zusammen mit dem Partner BEST (Bioenergy und Sustainable Technologies GmbH) durchgeführt wird, soll auch die Grundlagen für eine künftige ÖVGW-Nachhaltigkeits-Richtline für Grüne Gase bereitstellen. Dabei wird u.a. auch der Einfluss von Biogas-Gärresten auf die Grundwasser-Qualität untersucht.

Vom Reststoff zum Wertstoff

Waste2Value forscht nicht nur zum Thema „Erzeugung von Grünem Gas und der Einspeisung in das Gasnetz“, sondern es werden auch Prozessketten zur Herstellung von Kraftstoffen aus Biomasse und Reststoffen untersucht. Für Wien Energie-Geschäftsführer Karl Gruber ist die die Anlage in Simmering ein Meilenstein für die Kreislaufwirtschaft: „Wir machen hier aus Abfällen grüne Treibstoffe und vergleichbare Industrierohstoffe und treiben damit den Klimaschutz in der Stadt voran. Die hier eingesetzte Technologie ist vielversprechend. Künftig könnte eine solche Anlage im Industriemaßstab bis zu 10 Millionen Liter grünen Treibstoff pro Jahr erzeugen und damit bis zu 30.000 Tonnen fossiles CO2 einsparen“.


Grundwasser, der unsichtbare Schatz: ÖVGW fordert proaktiven Schutz der kostbaren Ressource

Grundwasser ist ein großer Schatz: Es ist Lebensspender und unsere wichtigste Ressource. Tief verborgen unter dem Grund, gelangt es über Leitungen bis zu uns nach Hause und wird erst sichtbar, wenn es als Trinkwasser aus dem Zapfhahn strömt. Der internationale Weltwassertag am 22. März 2022 steht unter dem Motto: Grundwasser – der unsichtbare Schatz. Ähnlich unsichtbar sind aber auch die Schadstoffe, denen es ausgesetzt ist: Von Pestiziden bis hin zu Industriechemikalien. Der fortschreitende Klimawandel setzt den Grundwasservorkommen zu. Die ÖVGW fordert deshalb den proaktiven Schutz der kostbaren Ressource, damit sie für kommende Generationen erhalten bleibt.

Österreich ist ein wasserreiches Land und in der glücklichen Lage, seinen Trinkwasserbedarf zu 100 Prozent aus gut geschützten Quellen und Brunnen decken zu können. Eine Besonderheit, die nicht selbstverständlich ist: Dieses Grundwasser ist im Gegensatz zu Oberflächengewässern durch die natürliche Filterfunktion des Bodens besonders gut vor Verunreinigungen wie etwa Mikroplastik oder Bakterien geschützt. Trotzdem findet sich unser zivilisatorischer Fußabdruck darin – da Grundwasser ein Teil des gesamten Umweltkreislaufes ist. Umso wichtiger ist es, dieses Trinkwasser aus Quellen und dem Grundwasser bewusst und proaktiv zu schützen, damit der unsichtbare Schatz auch für zukünftige Generationen in bester Qualität erhalten bleibt.

Denn selbst wenn die Ausgangslage in Österreich günstig ist, so leben wir dennoch in einer Welt, in der unser Grundwasser und damit unser Trinkwasser durch unterschiedlichste Schadstoffe bedroht wird: „Trinkwasser zu schützen heißt aus unserer Sicht, für strenge Regelungen einzutreten. Deshalb fordert die ÖVGW von den Entscheidungsträgern, einen entsprechenden Rahmen zu schaffen – damit Schadstoffe wie Mikroplastik, Pestizide, Nitrate und Industriechemikalien gar nicht erst in den Umweltkreislauf gelangen“, so Wolfgang Nöstlinger, ÖVGW-Vizepräsident und Sprecher im Wasserfach.

Trinkwasserversorger garantieren sicheres Trinkwasser

Unser Trinkwasser unterliegt strengen Kontrollen. Die Trinkwasserversorger sind dazu verpflichtet, das gewonnene Grundwasser von der Quelle bis zum Zapfhahn engmaschig zu kontrollieren und garantieren den Konsumentinnen und Konsumenten sicheres Trinkwasser in bester Qualität. Verbesserte Messmethoden spüren selbst geringste Verunreinigungen in der Größenordnung von Nanogramm-Einträgen auf, die auf die menschliche Gesundheit keine Auswirkung haben. Als Interessenvertretung der Trinkwasserversorger ist es der ÖVGW wichtig, die Bevölkerung darüber zu informieren, welche Stoffe in unserem Trinkwasser enthalten sind und höchste Qualitätsstandards einzuhalten.

ÖVGW fordert politische Rahmenbedingungen zum Schutz des Trinkwassers

Daher und anlässlich des Weltwassertages, der dieses Jahr ganz im Zeichen unseres unsichtbaren Schatzes steht, fordert die ÖVGW, die lebenswichtige Ressource noch besser zu schützen. „Verhindern wir, dass Schadstoffe in unseren Umweltkreislauf gelangen, bleibt unser Trinkwasser sicher und frei von gesundheitlichen Belastungen“, so Wolfgang Nöstlinger.

Klimawandel bedroht Grundwasserressourcen

Dabei geht es sowohl um den quantitativen als auch den qualitativen Schutz. Quantitativ insofern, als durch die Auswirkungen des Klimawandels die verfügbaren Grundwasserressourcen in Österreich bis 2050 um bis zu 23 % von derzeit 5,1 Mrd. m3 auf 3,9 Milliarden Kubikmeter abnehmen könnten (Quelle: Studie Wasserschatz Österreichs). „Die Klimakrise mit ihren Wetterextremen und Trockenperioden liegt nicht in der Zukunft – sie ist bereits da und dort deutlich spürbar. Regional und saisonal haben wir in Österreich in den letzten Jahren bereits Engpässe erlebt“, sagt Wolfgang Nöstlinger.

Umweltproblem Industriechemikalien

Eine Schadstoffgruppe, die sogenannten PFAS, rückt derzeit vermehrt in den Fokus. Diese Gruppe von Industriechemikalien wird seit den 1970er Jahren in vielen Industriebereichen, aber auch im Haushalt, weit verbreitet eingesetzt. Sie umfasst nach aktuellem Stand etwa 4.700 registrierte Substanzen. Gelangen diese in den Wasserkreislauf, verbleiben sie dort für Jahrzehnte und verunreinigen unsere Lebensmittel- und Trinkwasservorräte. Sie werden somit zum Umweltproblem. „Zum Schutz unseres Trinkwasser-Schatzes fordern wir rasch flächendeckende Untersuchungen. Es braucht eine Einschränkung der PFAS auf das Notwendigste und auf lange Sicht ein vollständiges Verbot“, so Wolfgang Nöstlinger.

Über die ÖVGW

Die Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW) ist die Interessenvertretung der österreichischen Trinkwasserversorger. Sie zählt rund 270 Wasserversorger und vertritt über Kooperationen mit Landesverbänden mehr als 1.500 Landesverbände. Diese beliefern circa 80 % der zentral versorgten Bevölkerung mit Trinkwasser. Das österreichische Trinkwasser wird zu 100 % aus Grundwasser und Quellen gewonnen. Die ÖVGW ist mit ihren Mitgliedern die Hüterin der Trinkwasserressourcen. Diese Verantwortung nehmen sie gerade in der Klimakrise besonders ernst und setzen sich in vielfältiger Weise für den Schutz des Grundwassers und der Quellgebiete ein. Auch für Krisenfälle sind die Wasserversorger gut gerüstet und können jederzeit Trinkwasser in gewohnt hoher Qualität und ausreichender Menge bereitstellen.